Models on the Runway

Zürich betritt die Bühne: Was die Zurich Fashion Week 2026 über Schweizer Designidentität verrät

Als offizielles Event erstmals im Kongresshaus Zürich ausgetragen, wollte die Zurich Fashion Week 2026 kein Paris und kein Mailand sein — und genau das war der Punkt.

Im Februar 2026 geschah in Zürich etwas, das es so noch nie gegeben hatte: Die Schweiz veranstaltete ihre eigene Fashion Week. Vom 11. bis 15. Februar fand die erste offizielle Zurich Fashion Week im Kongresshaus Zürich statt — ein Anlass, der Schweizer Mode, Design und Kreativität zusammenbrachte und Zürich als wichtigen Treffpunkt der nationalen und internationalen Modeszene positionierte.

Für ein Land, das eher für Banken, Uhren und Präzisionstechnik bekannt ist, war der Anspruch gross — und bewusst gewählt.

Die Vision dahinter

Das Event wurde von Tamy Glauser, einem Schweizer Model mit internationaler Karriere, zusammen mit Unternehmer Remo Schmid und Donald Schneider, dem früheren Art Director der Vogue Paris, ins Leben gerufen. Ihr Ziel: jungen Schweizer Modetalenten die Möglichkeit zu geben, ihr Potenzial im eigenen Land zu entfalten und eine tragende Wirtschaft untereinander aufzubauen. Die Motivation war persönlich und professionell zugleich: Glauser hatte sich lange gefragt, warum die Schweiz Mode nicht als Kunst anerkennt — und sie deshalb nicht über Kulturdepartemente fördern kann — obwohl das Land über erhebliche Ressourcen und Talente verfügt.

Über fünf Tage zog die Zurich Fashion Week rund 3’000 Gäste an und brachte etablierte Labels, aufstrebende Designerinnen und Designer sowie Schweizer Modeschulen auf eine gemeinsame Bühne — geprägt von den Themen Nachhaltigkeit, Identität und Materialinnovation.

Was auf dem Laufsteg zu sehen war

Das Programm umfasste Tages-, Abend- und Hauptshows, ergänzt durch einen Pop-up-Markt, Nebenprogramme, Gespräche und Workshops. Designerinnen und Designer kamen sowohl aus der Deutsch- als auch aus der Westschweiz, dazu ausgewählte internationale Gäste aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Ghana und Lettland. Vertreten waren Labels wie Modeco, New Orchard, Atelier J. Santana, Coco Création, Selva Huygens, Ombre, Madame Badass, Intensify Me, Nova Noche, Tamara von Arx, Zano, Guju Gumpold, The Last Human, Fragile Base, Spacecrib, Amato, Judassime, Terje Vincentz, Maya Seyferth, Dobrżanska, sowie Studierende der HEAD Genève.

Die Eröffnung übernahm Modeco Couture — mit opulenten Roben, dramatischen Silhouetten, viel Glamour und Theatralik. Die Atmosphäre insgesamt wirkte neugierig statt exklusiv: weniger Spektakel, mehr Aufbruch.

Ein zentrales Element war die Zusammenarbeit mit dem Fair Fashion Award (Swiss Fair Trade), mit einem eigenen Nachhaltigkeitstag, an dem mehrere Präsentationen verantwortungsvolles Produzieren und langfristiges Denken im Design thematisierten — nicht als Trend, sondern als Haltung.

Hinter dem Glanz: Eine ehrliche Bilanz

Keine erste Ausgabe läuft ohne Reibung — die der Zurich Fashion Week war da keine Ausnahme. Nach dem Event wurden Berichte über unbezahlte Rechnungen, verärgerte Sponsoren und interne Konflikte laut — mehrere Sponsoren erklärten, im Folgejahr nicht mehr dabei zu sein. Der Eröffnungsabend verlief für viele Gäste chaotisch: Die Sitzplatzeinteilung funktionierte nicht, ein klarer Programmfaden fehlte. Mitgründer Remo Schmid war bereits vor dem Event aus dem Verein ausgeschlossen worden, was dem Hintergrund eine zusätzliche turbulente Dimension verlieh.

Das sind ernste Punkte, die benannt werden müssen. Eine Fashion Week — wie jede Kulturplattform — lebt vom Vertrauen: zwischen Organisatorinnen und Organisatoren, Designschaffenden, Sponsoren und Publikum.

Was das für die Schweizer Mode bedeutet

Trotz der Turbulenzen hinter den Kulissen war die kreative Energie auf dem Laufsteg real. Die Designschaffenden gingen mit Klarheit an Form und Material heran, und die Modestudierenden brachten eine starke experimentelle Note mit — eine Erinnerung daran, wie wichtig Modeausbildung für die nächste Generation bleibt.

Die strukturelle Herausforderung, die Glauser benannt hat, bleibt unabhängig von den organisatorischen Schwierigkeiten bestehen: Die Schweiz verfügt über weltklasse Designschulen, erhebliche kreative Talente und einen internationalen Ruf — aber keine etablierte lokale Industrie, die dieses Talent aufnehmen und tragen kann. Die meisten Designschaffenden, die eine Karriere anstreben, verlassen das Land noch immer.

Unsere Einschätzung

Die Zurich Fashion Week 2026 war unvollkommen, kontrovers — und trotz alledem einen Blick wert. Erste Ausgaben werden selten perfekt. Entscheidend ist, ob die Grundidee trägt. Wir denken: ja. Die Schweiz braucht eine Plattform, die Mode als ernsthafte kulturelle und wirtschaftliche Disziplin behandelt — nicht als Luxusexport. Ob die aktuelle Organisation diejenige ist, die das nachhaltig aufbauen kann, bleibt offen. Aber das Gespräch hat begonnen, und das ist bereits etwas.

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Foto: Raden Prasetya auf Unsplash

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